Filmarchiv

Countries

Atmahaú Pakmát

Dokumentarfilm
2017
24 Minuten
Untertitel: 
englische
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Cameron Quevedo
Jesús Gerdel
Jim Hickcox
Cameron Quevedo
Will Harrell
Die geplante Mauer zwischen den USA und Mexiko ist in aller Munde. Oft geht dabei unter, dass diese Grenzlinie an sich ein Konstrukt ist. Mitte des 19. Jahrhunderts musste Mexiko massive Gebietsverluste an den mächtigen Nachbarn im Norden hinnehmen. Seither verläuft die Demarkation entlang des Rio Grande. Ein poetisch-politischer Film über Grenzziehungen und deren Folgen, den Überlebenskampf von Lehmziegel-Herstellern im mexikanisch-US-amerikanischen Grenzgebiet und den Zauber eines Flusses.

Annina Wettstein
Next Masters Wettbewerb Kurzfilm
It’s Going to Be Beautiful Luis Gutiérrez Arias, John Henry Theisen

Der Traum vom Ende des mexikanischen Zuwanderungsstroms in acht architektonischen Prototypen. In Beige, in Blau, in Beton, in Stahl, in aller Lächerlichkeit vor der Entgrenztheit der Landschaft.

It’s Going to Be Beautiful

Dokumentarfilm
2018
9 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Luis Gutiérrez Arias, John Henry Theisen
Luis Gutiérrez Arias, John Henry Theisen
Luis Gutiérrez Arias, John Henry Theisen
Luis Gutiérrez Arias, John Henry Theisen
John Henry Theisen
Luis Gutiérrez Arias, John Henry Theisen
Luis Gutiérrez Arias
Trump träumt von einer Architektur zu werdenden Einwanderungsschranke zu Mexiko. Und wir träumen mit. Aber träumen wir in Beige oder in Blau? Träumen wir quer oder längs gestreift, in armiertem Beton oder in entwaffnendem Stahl? Hier treten acht Design-Prototypen gegeneinander an, verlächerlicht durch die Entgrenztheit der Landschaft und geerdet durch die Testkletterer, die sich an diesen Monolithen emporhangeln. Eine brillant gefilmte und gedachte Dokumentarpointe ¬– ohne befreiendes Lachen.

Sylvia Görke
Internationales Programm
Potentiae Javier Toscano

Mit ausdauerndem Blick beobachtet Javier Toscano unterschiedliche Alltagstechniken von Menschen mit Behinderungen in Mexiko-Stadt – bis dieser Blick mit einem Mal selbst auf dem Spiel steht.

Potentiae

Dokumentarfilm
2016
98 Minuten
Untertitel: 
englische
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Alejandra Liceaga
Javier Toscano
Daniel Hidalgo Valdés
Ricardo Garfias
Omar Guzmán, Paulina del Paso
Javier Toscano
Luis Mercio, Carlos Aguilar Zafra
Formatwechsel im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Autotür wird aufgeschoben – und mit ihr das Bild. Der enge Kader wächst in die Breite. Die Kamera beginnt zu fliegen. Hoch oben schwebt sie langsam über die Dächer von Mexiko-Stadt. Dann beginnt sie ihren Landeanflug, sinkt hinab in eine schmale Gasse, findet ihre Protagonisten und gewinnt wieder an Höhe. Es ist die Einstellung, die alles verändert, die alles, was bisher zu erblicken war, in eine neue Ordnung des Sehens überführt, in eine andere Form der Wahrnehmung.

Die Frage steht also im Raum: Was dokumentiert Regisseur Javier Toscano in seinem Film „Potentiae“ eigentlich genau? Sind es die routinierten Weisen der Fortbewegung ohne Beine – auf Stufen, im Wasser, auf der Aschenbahn? Die Zahnputztechnik ohne Arme? Der gelernte Umgang mit dem Blindenstab? Lange Zeit wohnen wir einem genau beobachtenden Film über verschiedene Alltagspraktiken und -techniken von Menschen mit Behinderungen bei: Dokumente unterschiedlicher Konzepte einer selbstbestimmten Lebensführung am Rande einer Megastadt. Aber ist das schon alles? Was macht diese bildöffnende Autotür mit unserem eigenen Sehen? Wird es verschoben oder sogar entgrenzt? Wird unsere Wahrnehmung erweitert oder sogar gesprengt? Können wir unseren Augen noch trauen?

Lukas Stern
Internationales Programm
The Mermaid Kingdom Luis Rincón

In einem Fischerdorf in Nicaragua kommt es zu rätselhaften Vorfällen: Tauchende Männer entsteigen dem Wasser gelähmt. Ein starker Meerjungfrauen-Glaube korreliert mit den Tragödien.

The Mermaid Kingdom

Dokumentarfilm
2017
75 Minuten
Untertitel: 
englische
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Rigoberto Perezcano, Bruno Cárcamo
Luis Rincón
Juan Pablo Ramírez Ibañez
Lucrecia Gutiérrez Maupomé
Luis Rincón
Bernat Fortiana
Die Grenze zwischen Land und Meer ist eine magische. Wenn hier gleich zu Anfang einige Kühe die Küste entlanglaufen, dann ist das ein Bild der Unität. Genauso wie die Körper der Meerjungfrauen, die vom Bauch abwärts das Aussehen von Fischen haben sollen. Viele Legenden ranken sich um diese Geschöpfe. Etwa, dass man beginnt, nach Fisch zu stinken, sobald einem eines von ihnen in Liebe zugetan ist. Nur spezielle Kräuter können den Geruch dann noch beseitigen, wodurch eine Ortung verunmöglicht wird. Auch schwängern können die Meerjungfrauen. Und riesige Bankette auf dem Meeresboden ausrichten. Doch die Bewohner eines Fischerortes in Nicaragua scheinen es sich mit den hiesigen aquatischen Wesen verscherzt zu haben: Seit einiger Zeit sind Vorfälle zu beobachten, in denen Männer von ihren Tauchgängen gelähmt heimkehren. Luis Rincón zeigt das Leben an dieser Grenzlinie, die Arbeit ober- und unterhalb des Wassers. Und er setzt einen der Gelähmten in Szene, der fast ausschließlich mit Sonnenbrille auftritt. Ihn nimmt Rincón einmal am Fenster sitzend auf, sodass sich die Lichtspiele auf seiner Haut abzeichnen wie Fischschuppen.

Carolin Weidner


Nominiert für Healthy Workplaces Film Award

The Other Side of the Wall

Dokumentarfilm
2017
68 Minuten
Untertitel: 
englische
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María Nova López, Emiliano Altuna, Carlos Rossini, Tatiana García
Pau Ortiz
Daniel Hidalgo
María Nova López
Frank Gutiérrez, Pau Ortiz
Carlo Massarelli
Manchmal wird aus der 13-jährigen Rocío ganz unvermittelt eine erwachsene Frau, die mit sorgenvollem Blick in die Zukunft schaut. Das hat vor allem damit zu tun, dass sie gemeinsam mit ihrem 18-jährigen Bruder Alejandro für die zwei jüngeren Geschwister sorgen muss, während die Mutter im Gefängnis sitzt. Seit mehr als zwei Jahren halten die beiden Teenager die Familie zusammen. Doch die Extremsituation zehrt an ihren Nerven und immer häufiger rasseln sie aneinander. Die Schlachten, die sie schlagen, sind einerseits Abziehbilder klassischer Streitigkeiten zwischen Paaren („Ich bin hier die Einzige, die das Haus sauber hält!“), andererseits Ausdruck der eigenen Zerrissenheit. Beide haben den Anspruch an sich selbst, die schwierige Situation zu lösen und ihren „Mann zu stehen“. Doch vor allem die pubertäre Rocío spürt, dass ihre „Beziehung mit sich selbst“, wie sie sagt, seit einiger Zeit nicht die beste ist.

Die detailreiche filmische Beobachtung zeigt einen familiären Mikrokosmos, der von Überforderung, aber auch von großer Wärme geprägt ist. Sowohl Rocío als auch Ale nutzen die Gesprächssequenzen vor der Kamera als Momente der Reflexion – beide analysieren die eigene Situation so präzise und realistisch, dass es einem den Atem nimmt. Mit diesem Film macht Regisseur Pau Ortiz seinen jungen Protagonisten eine empathische Liebeserklärung, die lange nachwirkt.

Luc-Carolin Ziemann


Nominiert für Young Eyes Film Award
Internationales Programm
Plaza de la Soledad Maya Goded

Die Prostituierten von La Merced in Mexico-Stadt: zwischen 50 und 80, oft missbraucht und geschlagen, mutig, stark und illusionslos. Intimste Geständnisse voller burlesker Komik.

Plaza de la Soledad

Dokumentarfilm
2016
84 Minuten
Untertitel: 
englische
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Martha Sosa, Eamon O’Farrill, Monica Lozano
Maya Goded
Leonardo Heiblum, Jacobo Lieberman
Maya Goded
Valentina Leduc
Lena Esquenazi, Miguel Hernández
Zunächst einmal – „Plaza de la Soledad“ eröffnet mit einer wunderbaren, wie für das Kino erfundenen Szene, die im Dokumentarfilm nur funktioniert, wenn Filmemachen als gemeinsame Arbeit der Menschen vor und hinter der Kamera verstanden wird. In diesem Fall als Projekt der Fotografin und Filmemacherin Maya Goded und der Prostituierten von La Merced in Mexico-Stadt, deren Vertrauen sich Goded über Jahre hinweg durch eine Fotoserie über das Viertel erarbeitet hat.

Zwischen 50 und 80 Jahre alt sind die Frauen, die sich seit ihrer Jugend an Männer verkaufen und bis heute von ihnen leben. Da staut sich einiges an, und das Kino dient ihnen als Medium, ihre Geschichte nach außen zu tragen. Mutig und stark sind sie, die in ihrer Jugend missbraucht oder vergewaltigt wurden, die ihre eigenen Kinder ohne Ehemänner aufziehen mussten und ihre Biografien illusionslos beschreiben – ohne Selbstmitleid, allein fokussiert auf das Überleben. Gleichzeitig vibriert die Energie in diesem Film, dessen erzählerische Bandbreite von burlesker Alltagskomik über Sexpraktiken am Kunden bis hin zu intimsten Geständnissen, in denen die Sehnsucht nach etwas Sicherheit und Liebe aufscheint, reicht. Keine Frage, die renommierte Magnum-Fotografin Maya Goded ist auch eine der großen Stimmen des mexikanischen Kinos der Gegenwart.

Matthias Heeder
Disobedient Images
Removed Naomi Uman

Ein Film der unerfüllten Träume. Naomi Uman entfernte aus einem Pornofilm der 1970er Jahre das Objekt der Begierde. Mit Nagellackentferner und Bleichmittel machte sie Einzelbild für Einzelbild den Frauenkörper unsichtbar.

Removed

Animationsfilm
1999
7 Minuten
Untertitel: 
keine
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Naomi Uman
Naomi Uman
Naomi Uman
Naomi Uman
Ein Film der unerfüllten Träume. Naomi Uman entfernte aus einem Pornofilm der 1970er Jahre das Objekt der Begierde. Mit Nagellackentferner und Bleichmittel machte sie Einzelbild für Einzelbild den Frauenkörper unsichtbar. Übrig bleibt ein Phantom. Die aufrechten Romeos greifen mit vollen Händen ins Leere und bleiben mit ihrer Männlichkeit allein zurück.

Ines Seifert

The World in a Corner

Dokumentarfilm
2016
21 Minuten
Untertitel: 
englische
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Aurora Molina Pineda, Jorge Díez Maza
Mariano Rentería Garnica
Jorge Alba
Mariano Rentería Garnica
Mariano Rentería Garnica
Mariano Rentería Garnica
Raúl Atondo
Jeden Tag sind sie am, im oder auf dem Meer – die Bewohner des „Sacred Hill“, einer felsigen Halbinsel ganz im Süden Mexikos. So nah sie dem Ozean sind, so fremd bleibt er ihnen auch. Ein junger Mann und ein Mädchen erzählen von diesem Ort: davon, dass die Jagd viele Meeresbewohner vertrieben hat und wie sich das Meer seitdem rächt. Die wenigen Tiere, die noch da sind, bleiben den Touristen zum Anschauen vorbehalten. In eindrucksvollen Bildern zeichnet der Film einen geradezu traumhaften Albtraum.

Kim Busch

Absences

Dokumentarfilm
2015
26 Minuten
Untertitel: 
englische
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Anaïs Vignal, Julio López
Tatiana Huezo
Pablo Fernández
Ernesto Pardo
Lucrecia Gutiérrez Maupomé
Tatiana Huezo
Pablo Tamez
Wie ein Gespenst wandert Lulu in Mexiko durch ihr Leben, seit vor vier Jahren ihr Ehemann und ihr Sohn von Fremden aus dem Auto gezerrt und entführt wurden. Obwohl jede Spur von ihnen fehlt, kann sie nicht aufhören zu suchen. Wann ist es Zeit, eine Hoffnung zu begraben? Tatiana Huezo übersetzt Lulus Geschichte auf der Bildebene in eine Realität, die Risse bekommen hat, und zeigt das nicht Sichtbare: das Gefühl der Abwesenheit – aber auch einen Weg zurück ins Leben.

Lars Meyer

Atl Tlachinolli

Dokumentarfilm
2015
76 Minuten
Untertitel: 
deutsche
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University for Television and Films Munich, Centro de Capacitación Cinematográfica, A.C.
Alexander Hick
Juan Pablo Villa
Alexander Hick
Julian Sarmiento
Alexander Hick, Ileana Villareal
Man muss kein Zoologe sein, um Alexander Hicks Faszination für dieses Tier zu verstehen, das sich wie kaum ein anderes zur Mythenbildung eignet. Der Axolotl, ein Schwanzlurch, verweigert die Metamorphose. Er geht nicht an Land, sondern verbleibt als Larve im Wasser, vermag sich dennoch fortzupflanzen und darüber hinaus selbst zu regenerieren. Sogar sein Herz oder sein Hirn können nachwachsen! Nur sein Lebensraum ist ihm abhandengekommen. Aus den einstigen Gewässern erhebt sich nunmehr ein 8-Millionen-Moloch, Mexico City. Alexander Hick wirft in insistierenden Bildern, aufgeladen mit kulturhistorischen, religiösen und mythologischen Verweisen, die Frage auf, wie der Mensch mit dem eroberten Paradies umgeht. In bruchstückhaft nebeneinander stehenden Episoden skizziert er Bewohner dieser Megalopolis in ihrem Überlebenskampf. Gewalt und Korruption haben alles ausgehöhlt: die Familie, die Institutionen, den Staat. Den Glauben daran, dass sie sich selbst wieder „regenerieren“ könnten, vermittelt der Film nicht. Im Gegenteil.

So ist der von den Azteken verehrte Axolotl der letzte Zeuge einer geschundenen, missbrauchten Landschaft und einer Zeit, als der Mensch noch in der Lage war, Hochkulturen zu schaffen. Ein im edelsten Wortsinn kluger Essayfilm und ein kühnes Stadtporträt.

---Cornelia Klauß
Next Masters Wettbewerb
Dead When I Got Here Mark Aitken

Ein Asyl für psychisch Kranke in Juárez, Mexiko. Der Ex-Junkie Josué betreut hier die Gestrandeten. Erstaunliche Ballade vom Anderssein und Verlust, von Gewalt und Fürsorge.

Dead When I Got Here

Dokumentarfilm
2015
72 Minuten
Untertitel: 
englische
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Mark Aitken
Mark Aitken
Mark Pilkington
Mark Aitken
Sibila Estruch
Alex Bryce, John Thorpe
Auf den ersten Blick erinnert Josué an einen in die Jahre gekommenen Schwergewichtsboxer, der nach einem Knockout zurück ins Leben gefunden hat. Und zu seiner Bestimmung. Wir befinden uns im „Visión en Acción“, einem Heim für psychisch Kranke am Rande von Juárez, Mexiko. Eine gewalttätige Stadt, in der Josué sein Leben als Heroinjunkie verschwendete. Vor sechs Jahren hatten sie ihn hier halbtot abgeladen. Im „Visión en Acción“ gibt es keine Ärzte oder Pfleger, dazu ist es zu arm, sondern nur eine Art Selbstverwaltung der Geschädigten. Die haben Josué in ihre Arme genommen und geheilt. Seitdem lebt er hier und managt das Heim mit der Hingabe eines Mannes, der eine Grenze überschritten hatte und zurückgeholt wurde, um seinen Mitmenschen in Liebe zu dienen. Ein erstaunlicher Ort ist dieses „Visión en Acción“, dessen Alltag uns Mark Aitken in sehr sachlichen Bildern näherbringt. Die Situationen bedürfen auch keiner spektakulären Aufmerksamkeit, sondern sprechen für sich: für die mentale Andersartigkeit, den Verlust, die Fürsorge und die Gewalt der Stadt. Gleichzeitig zwingt uns diese Haltung der Kamera immer wieder dazu, unsere eigene Grenze gegenüber der Auffälligkeit zu benennen. Denn auch das lehrt uns Josué, der in anderen Einstellungen gar nicht mehr an einen Boxer erinnert, sondern an einen in sich zusammengesunkenen, nachdenklichen Buddha.

---Matthias Heeder

Isolated

Dokumentarfilm
2015
73 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Marcela Lizcano, Juan Pablo Solano, Simon Beltrán Echeverri, Sarahi Echeverría
Marcela Lizcano
Daniel Velasco
Marcela Lizcano, Cecilia Madorno
Carla Valencia, Étienne Boussac
Marcela Lizcano
Daniel "el gato" Najar Garcés
Im San-Bernardo-Archipel an der kolumbianischen Karibikküste liegt, in Sichtweite ihrer großen Schwester Múcura, das winzige Eiland Santa Cruz. Eigentlich keine Insel, eher ein Korallenriff, das die Fischer früher als Lagerplatz nutzten. Dann holten sie ihre Familien von den moskitoverseuchten Inseln hierher, bauten Hütten und heute ist Santa Cruz eine Stadt: 1.200 Quadratmeter, 97 Häuser, 500 Bewohner. Gerammelt voll mit Mensch und Gut, dient dieser unwahrscheinliche Ort der kolumbianischen Regisseurin Marcela Lizcano als Metapher für unseren Planeten. El Cabo, ein alter Fischer und Hummertaucher, fungiert hierbei als Führer, der die Veränderungen zu beschreiben weiß: Der Fisch wird weniger, die Hummer verschwinden, und von den ursprünglich 16 Inseln rund um Santa Cruz hat das Meer schon sechs verschluckt. Seine Überlegungen führen zu einer Versammlung der Bewohner, die uns im Kleinen vorführt, wie Eigensinn, Korruption und Profitgier unsere Welt zerstören. Und dann sind da noch die Kinder, die überall herumstromern und für die das Meer der Spielplatz ist. Ihre Zukunft liegt nicht in Santa Cruz. Sie zieht es aufs Festland, wo der Spaß ist. Sie werden das Meer vermissen, wenn sie dort morgens aufwachen. Mit „Isolated“ ist der Regisseurin das sehr warmherzige Porträt einer Gemeinschaft gelungen, in deren Krise sich unser aller Problem spiegelt. Bloß – wohin sollen wir gehen?

Matthias Heeder

The Trumpeter

Animationsfilm
2014
10 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
César Moheno
Raúl Robin Alejandro Morales Reyes
Raúl Robin Alejandro Morales Reyes
Diese Blaskapelle ist nicht der richtige Ort für einen improvisationsfreudigen Trompeter. Oder doch?

The Convict Patient

Dokumentarfilm
2013
83 Minuten
Untertitel: 
englische
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Alejandro Solar Luna, Rodrigo Herrnaz, Issa Guerra, Armando Casas
Alejandro Solar Luna
Luis Leñero Elu
Ignacio Miranda
Ernesto Contreras, Alejandro Solar Luna
Alejandro Solar Luna
Eine dieser Geschichten, die unglaublich zu nennen nur wie fahrlässiges Understatement erscheinen kann: Während einer am 2. Oktober 1968 in Mexiko City stattfindenden Protestversammlung kommt es zu fast 300 Toten, als Präsident Gustavo Díaz Ordaz Militär und Spezialeinheiten der Präsidentengarde einsetzt, um wieder Ruhe im Land herzustellen. Nur am Rande wird Carlos Castañeda de la Fuente Zeuge des Geschehens. Aber dieser Tag soll sein gesamtes weiteres Leben bestimmen: In einem hilflosen Akt der Empörung unternimmt der bekennende Christ eineinhalb Jahre später einen Attentatsversuch auf Ordaz, wird jedoch zuvor mit einer Waffe festgenommen und soll von der Geheimpolizei als fanatischer Drahtzieher eines Staatsstreichs aufgebaut werden. Als dies vor allem wegen der Naivität des Beschuldigten misslingt, wird er für geisteskrank erklärt und weggesperrt. Er gilt als verschwunden. Über Jahre wird er körperlich und psychisch massiv misshandelt, später vergisst man ihn mehr oder weniger. Erst 1993, nach 23 Jahren Psychiatrie, wird er, quasi aus Ratlosigkeit, in die „Freiheit“ abgeschoben und vegetiert seitdem als verwirrter Obdachloser in Mexico City vor sich hin. Über lange Zeit rekonstruierte Regisseur Alejandro Solar Luna die Abgründe dieses Falles: die über vier Jahrzehnte sich hinziehende Auslöschung eines Menschen.

Ralph Eue

The Waterwheel

Animationsfilm
2012
10 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Luis Téllez Luis
Karla Castañeda Karla
Gilberto Cervantes
Alejandro Cantú
Carlos Bolado
Karla Castañeda, Luis Téllez
Karla Castañeda
Enrique Greiner
Eine Dorfgemeinschaft steht dicht beisammen, schweigend wie die unbeweglichen Mühlräder. Auch der Fluss ist zwischen Vergangenheit und Zukunft erstarrt. Das Kind hat die Ewigkeit berührt und die Eltern müssen sich der Trauer stellen.
Fokus Lateinamerika
Drought Everardo González

Eine Viehfarm im trockenen Nordosten Mexikos: Mensch und Tier im Überlebenskampf gegen die Dürre, bis der Regen kommt … Archaischer Kreislauf in eindrucksvollen Bildern.

Drought

Dokumentarfilm
2011
84 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Martha Orozco, Cienega Docs S.A. de C.V.; Foprocine
Everardo González
Everardo González
Felipe Gómez, Clementina Mantellini
Everardo González
Pablo Tamez, Sound Design: Matias Barberis
„Cuates de Australia“ klingt nicht besonders mexikanisch, ist aber der Name einer Viehfarm im trockenen Nordosten des Landes. Ein Ort, isoliert von der Welt, ohne Elektrizität, befestigte Straßen und frisches Trinkwasser. Wie es zu diesem Namen gekommen ist, wissen auch die heutigen Bewohner der Farm nicht. Das Leben in „Cuates de Australia“ ist hart und die Dürrezeit setzt von Jahr zu Jahr früher ein. Sie droht, den Viehzüchtern ihre Lebensgrundlage zu nehmen. Dennoch harren sie so lange aus bis die Quellen versiegen, die ersten Tiere verdursten und die Kojoten sich immer näher an die Herde herantrauen. Erst jetzt verlassen die Menschen mit ihren Tieren das Dorf. Eine lange Karawane setzt sich in Bewegung auf der Suche nach Weideflächen und Wasser, nach einem Ort, an dem sie auf den Regen warten können. Auch in dieser Zeit muss die alltägliche Arbeit weiter gehen.
Mit ruhigem Blick beobachtet Everardo Gonzáles die Verrichtungen der Männer, Frauen, Alten und Kinder und findet eindrucksvolle Bilder für den Überlebenskampf der Menschen. Als endlich erste Regentropfen niedergehen, verändert sich die Atmosphäre schlagartig: Neue Farben entstehen, Vogelgesang vertreibt die Stille und eine Stimmung des Aufbruchs macht sich breit. Der alte Kreislauf des Lebens setzt ein und mit den Menschen kehrt auch die Hoffnung zurück nach „Cuates de Australia“. Von einem ruhigen Rhythmus getragen, setzt dieser Film einer archaischen Lebensform ein Denkmal, deren Ende vorgezeichnet ist.

– Paulo de Carvalho