Filmarchiv

Countries

My English Cousin

Dokumentarfilm
2019
82 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Joëlle Bertossa, Flavia Zanon
Karim Sayad
Patrick Tresch
Naïma Bachiri
Miguel Antunes Dias
Fahed möchte sein Leben verändern. Fast zwanzig Jahre ist es her, seit er Algerien verließ. Damals kam er voller Hoffnungen in Grimsby an, einer britischen Hafenstadt, die ihre florierenden Zeiten längst hinter sich hatte. Sein Traum von Wohlstand verflüchtigte sich. Um finanziell zu überleben, geht er heute in einer 50-Stunden-Woche zwei Jobs nach. Zwar besitzt er inzwischen eine Aufenthaltsgenehmigung und lebt gut integriert in einer Arbeiter-WG, doch nun, in der Mitte seines Lebens, zieht es ihn zurück in die algerische Heimat. Um näher bei seiner Mutter zu sein. Und er hat Heiratspläne! Doch wird es Fahed gelingen, sich nach so langer Abwesenheit wieder in Algerien einzuleben und seine Rolle zu finden? Seine Familie glaubt ihm die Rückkehrabsichten nicht so recht und neckt ihn, weil die Verlobung ein Mysterium bleibt. Wahrscheinlich habe er sich bereits zu sehr an die britische Mentalität gewöhnt, vermutet seine Tante.

Wo ist nun Faheds Heimat? Unvoreingenommen und mit humorvollem Blick für Details begleitet Karim Sayad seinen wortkargen Cousin bei dessen unentschlossenem Hin und Her. Ein Film über persönliche und nicht zuletzt auch gesellschaftliche Wendepunkte, denn im Hintergrund bewegen sich die beiden Länder England und Algerien auf politische Umwälzungen zu.

Annina Wettstein

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Tiny Souls

Dokumentarfilm
2019
85 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Dina Naser
Dina Naser
Ronald Heu
Dina Naser, Hasan Abu Hammad
Najwa Khachimi, Qutaiba Barhamji
Dina Naser
Antonin Dalmasso
Sie und all die anderen werden das Leben immer inspirieren, schreibt Dina Naser am Ende ihres Films über drei Kinder des Krieges in Syrien. Sie wachsen in einem Lager für Geflüchtete in Jordanien auf: Marwa ist die älteste, dann kommt ihre Schwester Ayah und schließlich Mahmoud, der Kleine. Sie haben noch sieben weitere Geschwister, aber die Familie ist auseinandergerissen worden, seit ein Bruder in Syrien nicht mehr in der Armee und damit dem Diktator Assad dienen wollte. Marwa ist die Heldin des Films. Sie wird bald groß sein oder jedenfalls von ihren Eltern als beinahe heiratsfähig betrachtet werden. Mutter und Vater achten nun darauf, dass sie nicht mehr ausgeht. Dabei hat sie doch schon einen Freund.

Dina Naser verfolgt das Geschick und den Alltag der drei Kinder über einen längeren Zeitraum, beginnend im Jahr 2014. Vorübergehend gibt die Filmemacherin ihren Protagonisten sogar eine Kamera in die Hand – für die Zeit, in der sie nicht bei ihnen sein kann. Zu vergleichen ist und darf dies sein mit der Situation geflüchteter Palästinenser im Jahr 1948, darunter Dina Nasers Vater, auf dessen Erfahrungen die Regisseurin anspielt. Damit öffnet sich ein größerer Kontext für diese zutiefst allgemein menschliche, mit vielen Details zugleich aber in den komplizierten Syrien- und Nahostkonflikt eingebundene Geschichte.

Bert Rebhandl

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

In the Claws of a Century Wanting

Dokumentarfilm
2017
120 Minuten
Untertitel: 
englische
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Jewel Maranan
Jewel Maranan
Jewel Maranan
Lawrence S. Ang
Francis Raphael Solajes, Mikael Andres Quizon
Mit der Regenzeit kommt dieser Film zur Ruhe. Taifune ziehen heran und die Geräusche – das Schreien spielender Kinder, das Knirschen riesiger Verladekräne, das laute Treiben in den Gassen, das Rattern der LKWs – weichen dem gleichförmigen Klang anhaltend strömenden Wassers. Erst jetzt merken wir, wie durchlässig und empfindlich, wie labil und wie reich diese Welt ist, in die uns die philippinische Regisseurin Jewel Maranan mit ihrem Film führt.

Entlang der Ränder von Manilas gigantischem Handelshafen erstrecken sich notdürftige Barackensiedlungen, gebaut aus Blechwänden, Holzlatten und Plastikplanen. Wer hier lebt ist arm, arbeitet als Tagelöhner oder nachts in der Containerverladung. Das Hafengeschäft floriert, die Anlagen expandieren, die Menschen werden von der Regierung zur Umsiedlung genötigt. Anhand von fünf Protagonisten sehen wir mitten hinein in die Realität eines marginalisierten Lebensraums. Und immer wenn die Kamera – durch die Planen und Wellbleche hindurch – den Blick ein Stück weit freigibt auf die Bockkräne und Containertürme hinter den Häusern, dann sehen wir auch mitten hinein ins grimassierende Gesicht der globalisierten Weltwirtschaft.

Lukas Stern


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

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Nine Month War

Dokumentarfilm
2018
73 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Ágnes Horváth-Szabó, András Pires Muhi
László Csuja
Zágon Nagy
Ágnes Mógor
László Csuja
Tamás Beke
János ist Anfang zwanzig, als ihn die ukrainische Regierung zum Krieg einzieht. Seine Familie zählt zur ungarischen Minderheit im Land. Viele fliehen in die EU, um dem Dienstantritt zu entgehen. János aber entscheidet sich für das Militär. László Csuja begleitet ihn in den Wochen, bevor er sich auf den Weg zur 1.500 Kilometer entfernten Frontlinie macht, ist dabei, wenn János über die Feiertage zu seiner Familie zurückkehrt, und nimmt ihn nach dem Kriegseinsatz zu Hause in Empfang. Verwendung findet auch Material, das der Soldat selbst mit seiner Handykamera aufgenommen hat – Einblicke in den Alltag auf der Basis.

Die neun Monate im Filmtitel erinnern nicht umsonst an die Dauer einer klassischen Schwangerschaft – „Nine Month War“ ist das Porträt einer Entwicklung, vielleicht nicht vom Embryo zum Säugling, aber doch vom Jungen zum Mann, je nachdem, was man darunter verstehen möchte. Der Junge János wirkt so kraftvoll wie unbedarft, ist umringt von der Liebe der Verlobten und einer ewig präsenten Mutter. Der Mann János, jener, den das ukrainische Militär nach dem Einsatz zurückgibt, ist unzugänglicher, teils grob. Gegen die weiblichen Hauptfiguren in seinem Leben hat sich Widerstand aufgebaut. János ist mit sich selbst beschäftigt, sitzt im Halbdunkel und spielt an seinen Händen. Den Soldaten, die in den Kiosk kommen, in dem er arbeitet, blickt er mit undurchdringlicher Miene nach.

Carolin Weidner


Nominiert für den MDR-Filmpreis

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Internationales Programm
A Memory in Khaki Alfoz Tanjour

Khaki sei die Farbe, die in jedem Syrer stecke, heißt es hier. Die These wiederholt sich in Variationen, fliegt durch Kunst und Gedanken. Und Alfoz Tanjour findet die richtigen Bilder dafür.

A Memory in Khaki

Dokumentarfilm
2016
108 Minuten
Untertitel: 
englische
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Louai Haffar
Alfoz Tanjour
Kinan Azmeh
Ahmad Dakroub
Alfoz Tanjour
Alfoz Tanjour, Louai Haffar
„Mein Blut besteht aus dieser Stadt, ihren Steinen, ihren Nachbarschaften, ihren Geschäften, ihren Menschen und ihren Morgen … Mein Blut ist vielleicht aus dem Geruch von Diesel gemacht, der in ihr ist.“ Alfoz Tanjour besucht den syrischen Schriftsteller Ibrahim Samuel 2009 in Damaskus und filmt ihn in seinem Adidas-Pullover am Schreibtisch sitzend, mit Kaffee und Zigarette vor seinem Manuskript. Als Tanjour in den 1990er Jahren nach Moldawien ging, um Film zu studieren, war eine Kurzgeschichte Samuels sein erster Stoff. Auch jetzt ist der Intellektuelle Ausgangspunkt für eine Arbeit, die trotz immanenter Schwere wie ein anmutiger Flug ist. „A Memory in Khaki“ teilt Kunst und Gedanken von Menschen, denen das oppressive syrische Regime eingeprägt ist – mitsamt einer Farbe und ihrer Symbolik: Khaki.

Carolin Weidner

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City of the Sun

Dokumentarfilm
2017
100 Minuten
Untertitel: 
englische
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Dea Kulumbegashvili, Rati Oneli, Jim Stark
Rati Oneli
Arseni Khachaturan
Ramiro Suárez
Dea Kulumbegashvili, Rati Oneli
Sonia Matrosova, Alexey Kobzar
Einst gab Tschiatura der Zeit den Pulsschlag vor. Mit einem der weltweit größten Mangan-Bergwerke war die Stadt Motor der sowjetischen Schwerindustrie. Als Rati Oneli hier eintrifft, sind diese Zeiten vorbei. Wenig bewegt sich, außer seiner in die Breitbildweite fahrenden Kamera. Oder doch: die Gemüter und Körper eines Musiklehrers, eines Bergmannes und zweier junger Athletinnen, die am inzwischen geisterhaften Ort ausharren. Oneli fügt ihre Porträts zu einer fesselnden atmosphärischen Sage zusammen, die das georgische Nationalepos zitiert und mit suggestiver Musik ausgemalt ist. Damit gibt er seinem Langfilmdebüt eine narrative Form, die das Dokumentarische mindestens ins Fließen bringt.

Zaza Rusadze

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Life to Come 360° – Through the Eyes of a Premature Baby

(none)
2016
9 Minuten
Untertitel: 
englische
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Cédric Bonin, Pascaline Geoffroy, Anton Iffland Stettner
Fouzi Louahem
Aïdan Obrist
Christophe Reynaud
Fouzi Louahem, Claudio Capanna
Yann-Elie Gorans
Sabine Lange (ARTE), Sophie Berque (RTBF interactive), Mohamed El Mongy (Aljazeera), Isabelle Christiaens (RTBF)
Jean-François Martin, Emilie Maréchal, Blanche Giraud-Beauregardt, Fred Cacheux, Coline Wauters
Die ersten Tage unseres Lebens, besonders jene kurz nach der Geburt, sind uns nicht im Gedächtnis. Plötzlich sind wir auf der Welt – erste unklare Erinnerungen von irgendwann, irgendwo steigen auf. Das Langzeitgedächtnis entwickelt sich erst ab dem zweiten Lebensjahr. Der Start ins Leben bleibt also ein trübes Erinnerungsloch. Mit „Life to Come 360°“ kann der Zuschauer in die virtuelle Realität einer Neugeborenenstation eintauchen und den Alltag aus der Sicht eines Frühchens wahrnehmen. Die Dokufiktion ist Teil der App „ARTE360“.

Lars Rummel

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Damascus, My First Kiss

Dokumentarfilm
2012
42 Minuten
Untertitel: 
englische
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Lina Al Abed, SakaDo Productions
Lina Al Abed
Wael al Kak
Joud Gorani
Andrijana Stojkovic, Rami Nihawi
Lina al Abed
Ghanem Al Mir
In ihrem dritten Dokumentarfilm setzt sich die palästinensisch-jordanische Filmemacherin Lina Alabed erneut mit der Rolle der Frau in der arabischen Welt auseinander. Drehort ist Damaskus, Syrien. Noch hat der Aufstand gegen das Assad Regime nicht begonnen. Trotzdem liegt Unruhe in der Luft und die Frage nach den Grenzen, die eine männerdominierte Gesellschaft den Frauen setzt, führt notwendig zu der Frage der Freiheit. Drei Frauen erzählen von ihrem Verhältnis zum Körper, zur Sexualität, von dem Druck der Traditionen und ihren Schuldgefühlen. Asma, eine Muslima, die mit 16 Jahren verheiratet wurde und nicht die geringste Vorstellung davon hatte, was Heirat bedeutet; Lina, Tochter einer wohlhabenden christlichen Familie, die bedauert, dass sie mit 45 Jahren ihren Körper noch immer nicht kennt; schließlich die Regisseurin selbst, die in sehr persönlichen Worten aus dem Off kommentiert und die Stimmen dieses Films zu einer einzigen Erzählung verbindet. Überraschend ist die Offenheit, mit der Asma und Lina ihr Leben beschreiben, überraschend für die Protagonistinnen selber. In einer wunderbaren Szene – Asma hat gerade davon erzählt, wie das Streicheln der Tochter in ihrem Armen als Weckung sexueller Lust kritisiert wurde – blickt sie gedankenverloren vor sich hin. Dann wendet sie den Kopf der Kamera zu und sagt diesen einen Satz: Wohin führst Du mich? Wie also die Verhältnisse ändern? Lina und Asma haben ihre Töchter von dem gesellschaftlichen Zwang befreit und lassen sie selbst über ihr Leben entscheiden. Damit schlagen die Frauen Schneisen in die versteinerten Verhältnisse, an deren Ende die Regisseurin die Freiheit des Menschen sieht, unabhängig vom Geschlecht.
– Matthias Heeder

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