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Jahr

Milana

Dokumentarfilm
Russland
2011
58 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Yulia Mishkinene, Vita Aktiva
Madina Mustafina
Madina Mustafina
Madina Mustafina
Madina Mustafina
Milana ist gerade mal sieben. Aber wie alle so genannten verwahrlosten Kinder verhält sie sich erwachsener als sie ist. Eine knappe brutale Stunde ist ihr die Kamera auf den Fersen, eine Kamera, die, so muss man es wohl sagen, nicht unbarmherzig nah am Geschehen ist, sondern phasenweise unbarmherzig weit weg. Wieso lässt du sie nicht fallen, diese Kamera, hört man sich selbst aufschreien, wieso entreißt du diesen gewalttätigen Eltern nicht ihr Kind, wieso lässt du diese Mutter ihre unerträglichen Rituale des Drohens und Strafens durchspielen, wieso erlöst du Milana nicht, indem du sie ihren im Wald am Stadtrand dahinvegetierenden, saufenden Erziehungsberechtigten weg nimmst und sie dahin bringst, wo alles besser ist. Weil es diesen Ort des richtigen Lebens nicht gibt, würde Madina Mustafina vermutlich antworten. Weil ich euch zeigen will, wie’s ist. Weil die harten Bandagen ihrer emotional unzurechnungsfähigen Eltern genauso zu Milanas Leben gehören, wie das intuitive Wissen darum, dass es andernorts nur wenig besser ist. Im Inneren dessen, was gemeinhin als Zivilisation bezeichnet wird, mag es stabiler zugehen, für ein Gefühl von echter Freiheit ist aber auch da kein Platz.
Hardcore-Sozialkino ist das jedenfalls, aus der auch international renommierten Razbežkina-Ugarov-Schule des russischen Dokfilms. Nur wenige haben dieses schon in der Kindheit verlorene Leben so bloßgelegt, wie der Gewinner des Artdocfests 2011. Ein schmerzhafter Film allemal.
– Barbara Wurm

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