Filmarchiv

Jahr

El Gort

Dokumentarfilm
Tunesien,
Vereinigte Arabische Emirate
2013
87 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Hamza Ouni
Hamza Ouni
Mohamed Hakim Boujomaa, Hatem Nechi
Najwa Khechimi
Hassen Najar
Dieser Film vibriert vor Wut. Nichts war gut, ist gut, wird gut sein. Diese bittere Wahrheit umschließt das Leben von Washwasha und Khairi wie eine Mauer. Beide Anfang 20, bettelarm, ohne Aussicht, jemals etwas anderes zu machen, als für wenig Geld Heuballen zu stapeln und auf LKWs auf- und abzuladen. Jobs? Es gibt keine in Tunesien. Also wollen sie weg, nach Europa. Doch auch dies ist nur ein Traum.
„El Gort“ erfasst die Jahre vor dem Aufstand gegen Ben Ali bis zu den ersten freien Wahlen, 2007 bis 2012. Aber diese Ereignisse haben für die beiden keine wirkliche Bedeutung. Washwasha saß während der Revolution im Gefängnis, Khairi ging wie die meisten Bewohner der Stadt brandschatzen. Irgendwie musste der Zorn raus. Geändert hat sich nichts. Außer dem Personal, das die Armen genauso betrügt wie das alte Regime. Und die islamischen Parteien? F*** them!
Die Wut übersetzt der Film in eine raue, direkte Bildsprache, die der Erzählung eine unglaubliche Wucht verleiht. Harte, schnelle Schnitte, eine unruhige, bewegte Kamera, keine Einstellung verweilt in der Schönheit des Augenblicks. Statt dessen ein Höchstmaß an Leben, das immer weiter gelebt werden muss. Und das ist das wirklich Erstaunliche an diesem ersten langen Film von Hamza Ouni – dass seine Protagonisten die Verhältnisse klarsichtig beschreiben, ohne sich aus der Verantwortung für ihre Handlungen zu stehlen.

Matthias Heeder



Ausgezeichnet mit der Talent-Taube im Wettbewerb für junges Kino 2014

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

The Last Limousine

Dokumentarfilm
Deutschland,
Russland
2013
79 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Marina Razbezhkina, Heino Deckert
Daria Khlestkina
Anton Silaev
Anna Dashina, Evgeniy Kurbatov
Daria Khlestkina, Mieneke Kramer
Daria Khlestkina
Sergey Ovcharenko, Maria Ushenina
Sie waren nicht nur der Stolz der Nation, sondern auch Sinnbild für offen zur Schau gestellte Macht, die zunehmend zur leeren Pose geriet. Die ebenso feudalen wie formvollendeten Limousinen, die die Paraden des sowjetischen Militärs auf dem Roten Platz anführten, forderten im Osten wie im Westen Ehrfurcht und Respekt ein. Bis zum Kollaps 1990 wurden sie im Moskauer Autowerk ZIL handgefertigt. Dann kam die Produktionsstrecke zum Erliegen. An einem Mangel an Diktatoren und Repräsentationsgelüsten kann es nicht gelegen haben. Vielleicht sind die offenen Limousinen zu riskant geworden? Kurzum: Plötzlich bricht ein Auftrag über die schon fast abgewickelte Fabrik herein. Drei Wagen werden von Staats wegen bestellt. Der Geist des alten Kollektivs erwacht, die Maschinen werden hochgefahren und der Betriebsdirektor schreitet ernst die gigantischen Hallen ab, wo es sich die Katzen längst gemütlich gemacht haben. Die Regisseurin Daria Khlestkina protokolliert präzise dieses letzte Aufbäumen eines Giganten und gewährt – nicht ohne Wehmut – Einblick in die Restposten einer einstmals sozialistischen Betriebsstruktur, wo Langmut und Improvisationskunst doch das eigentliche Kapital stellten.
Cornelia Klauß

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C(us)todians

Dokumentarfilm
Brasilien
2013
89 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Antônio Jr.
Aly Muritiba
Elisandro Dalcin
João Menna Barreto, Aly Muritiba
Aly Muritiba
Alexandre Rogoski, João Menna Barreto
Jefferson Walkiu ist der neue Chefinspektor im „Alpha-Team“ eines brasilianischen Gefängnisses, das über 900 Insassen beherbergt. Kein ungefährlicher Job, denn kriminelle Vereinigungen agieren außerhalb und innerhalb der Gefängnismauern, und das Wachpersonal ist schlecht ausgestattet. Mit guten Vorsätzen geht Walkiu daran, seine Abteilung zu professionalisieren. Doch die Dynamik in der Anstalt arbeitet gegen ihn.
Dass es für alle Gefangenen zusammen nur eine Krankenschwester und drei funktionierende Handschellen gibt, sind nur zwei unter vielen Herausforderungen. Täglich diskutiert Walkiu mit Häftlingen, Mitarbeitern und Vorgesetzten, die sich keinen Regeln verpflichtet fühlen. Doch auch sein ständiges Krisenmanagement kann Pannen nicht ausschließen. Umso überraschender wirkt sein ihn offenbar erfüllendes Doppelleben als Seelsorger einer kleinen Gemeinde. Hier lässt der stets um Kontrolle bemühte Mann emotionalen Dampf ab.
Der Alltag im Gefängnis aus Sicht des Wachpersonals und das Porträt eines Mannes, der es richtig machen will und gegen Wände anrennt. Regisseur Aly Muritiba hat selbst lange im Alpha-Team gearbeitet und kennt sich in den hohen, schmalen Fluren des Gefängnisses sichtlich aus. Lange Einstellungen und gezielte Perspektivwechsel erzeugen in seinem Film ein Gefühl des zunehmenden Kontrollverlustes.

Lars Meyer



Ausgezeichnet mit dem Healthy Workplaces Film Award 2013

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Internationales Programm
Men at Work Kesang Tseten

Ein Junge beim Spielen, ein Automechaniker, ein buddhistischer Mönch und ein Soldat in der Ausbildung – Männlichkeit, Arbeit und soziales Umfeld in Nepal, ruhig und genau beobachtet.

Men at Work

Dokumentarfilm
Nepal
2013
66 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Kesang Tseten
Kesang Tseten
Arjun Sen
Gairik Sarkar, Kesang Tseten
Sankha Biswajit, Kesang Tseten
Kesang Tseten
Sukanto Majumdar
Kesang Tseten, Dokumentarfilmer aus Nepal, der schon zweimal bei DOK Leipzig vertreten war, hat diesmal mehrere Filme zu einem verbunden. In vier stilistisch wie dramaturgisch höchst unterschiedlichen Episoden nähert er sich Alltags- und Arbeitsabläufen. In einer Mischung aus Meditation, Befragung, Beobachtung und Investigation umkreisen sie thematisch den „Mann bei der Arbeit“.
Ein Junge auf einer Terrasse wird dabei beobachtet, wie er mit Hingabe dem Wäschewaschen nachgeht und währenddessen immer wieder neugierig anderen Jungs beim Fußballspielen zuschaut. Der Schauplatz wechselt in eine Autowerkstatt, in der mit stoischer Geduld alte Karossen zusammengeschweißt und verputzt werden, die wirklich schon bessere Zeiten gesehen haben. Danach führt uns Kesang Tseten in eine Priesterschule, in die vor allem Jungen aus armen Familien geschickt und auf ihr Leben als Geistliche vorbereitet werden. Harte Arbeit und zurückgehaltene Tränen sind das tägliche Brot.
Den Reigen beschließt der Blick auf ein nachkoloniales Relikt, den Gurkha. Für viele junge nepalesische Männer ist es nach wie vor die höchste Ehre, als Soldat für die britischen Streitkräfte rekrutiert zu werden. Nicht nur ein Job, sondern eine Lebensaufgabe.

Lina Dinkla

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Opel Efficiency

Dokumentarfilm
Deutschland
2013
75 Minuten
Untertitel: 
englische
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Andy Michaelis, Erik Wittbusch
Andy Michaelis, Erik Wittbusch
Andy Michaelis, Erik Wittbusch
Peter Badel, Andy Michaelis, Gisela Tuchtenhagen, Erik Wittbusch
Peter Badel, Andy Michaelis, Erik Wittbusch
Andy Michaelis, Erik Wittbusch
Effizienz ist das Totschlagargument unseres Wirtschaftssystems. Wer da nicht mithält, kann schon mal abtreten. Warum aber Unternehmen schließen, die schwarze Zahlen schreiben, lässt sich mit dieser Logik nicht erklären.
Auch Pablo, Nico und Els, die bei Opel Antwerpen Autos montieren, und Rudi, seit 28 Jahren ihr Gewerkschaftsvertreter, haben effizient gearbeitet. Aber in Osteuropa kann General Motors höhere Profite erzielen – also wird das Werk in Antwerpen demontiert. Über fünf Jahre haben Andy Michaelis und Erik Wittbusch in der Tradition von Klaus Wildenhahn und unter Mitwirkung von Gisela Tuchtenhagen diesen Prozess begleitet. Wobei sie ihn in seiner Komplexität abbilden, indem sie nicht nur andere Opel-Standorte in Portugal und Deutschland aufsuchen, sondern auch mit polnischen Neu-Opelanern sprechen. Gerade letzteres räumt mit romantischen Vorstellungen von der Möglichkeit einer Solidarisierung über Ländergrenzen hinweg gründlich auf. Ernüchternd auch die wiederkehrenden Gespräche in Antwerpen, erst noch in Werkszusammenhängen, später nur noch privat. Da sind Traurigkeit und Zukunftsängste, auch Wut – doch vor allem ein fatalistisches Sich-Fügen und ein Punkt, an dem dieses Ende als ein neuer Anfang begriffen wird. „That’s life.“ Im Gedächtnis bleiben Momente wie jener, in dem der Gewerkschaftsvertreter, befragt nach Handlungsmöglichkeiten der Arbeitnehmer, in ein irres Lachen ausbricht.

Grit Lemke

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Super Women

Dokumentarfilm
Israel
2013
79 Minuten
Untertitel: 
englische
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Yael Kipper
Yael Kipper, Ronen Zaretzky
Eyal Shechter, Menny Barzilay
Avigail Sperber
Tor Ben Mayor
Eyal Shechter, Menny Barzilay
Avigail Sperber
Einkaufswagen rasseln, die Kasse piept und über die Lautsprecher werden ewig Sonderangebote angepriesen. Allein akustisch ist es eine Zumutung, was die Kassiererinnen in einem Supermarkt in Tel Aviv permanent erdulden. Wer diesen Job macht, unterbezahlt und ganz unten in der Skala des sozialen Status, hat nicht viel zu verlieren – glaubt zumindest ihr Chef. Und bedrängt die Schichtleiterin unentwegt mit Vorschlägen und Anweisungen, wo man noch Lohn kürzen, Arbeitskräfte einsparen, das Konkurrenzdenken ankurbeln oder Arbeitszeiten flexibilisieren könnte. Während zugleich spürbar wird, wie sich die Schlinge um den Hals der Frauen – meist russische Migrantinnen und alleinerziehende Mütter oder 55 plus – zuzieht …
Yael Kipper und Ronen Zaretzky gelingt mittels präziser Beobachtung und Strukturierung eine Sozialstudie von großer Klarheit und Emotionalität. Momente der Intimität und Nähe, wenn die Frauen sich im Frühstücksraum oder rauchend am Lieferanteneingang über ihre Probleme austauschen, wechseln mit der Monotonie einer durchautomatisierten Arbeitswelt. In der die Frauen, die einst Julia, Maya, Nella, Ella und Levana waren, nur mehr billige menschliche Ressourcen sind. Nicht nur, indem er ihre Welt als das zeigt, was sie (auch) ist, nämlich großes Kino, gibt der Film ihnen ihre Würde zurück: In einem märchenhaft (und fiktiv) anmutenden Schluss erklärt sich der Titel „Super Women“, gegen die der Held mit dem „S“ auf der Brust ein blasses Männchen ist.

Grit Lemke



Lobende Erwähnung im Internationalen Wettbewerb Dokumentarfilm 2013

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