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Filmpreis Leipziger Ring
Black Sheep Christian Cerami

Zwei Brüder aus einer Suburb in Nordengland geraten unter den Einfluss der rechtsgerichteten „English Defence League“, die sich vor allem durch ihren lautstarken Anti-Islamismus-Kurs hervortut.

Black Sheep

Dokumentarfilm
2015
16 Minuten
Untertitel: 
englische
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Alex Sedgley
Christian Cerami
Simon Plunkett
Samuel Haskell
Vicky Harris
Zwei Brüder aus einer Suburb in Nordengland geraten unter den Einfluss der rechtsgerichteten „English Defence League“, die sich vor allem durch ihren lautstarken Anti-Islamismus-Kurs hervortut. Was mit Neugier beginnt, wird für den Älteren zum Trip in die Welt der harten Jungs mit klarer Gesinnung, für den erst 13-jährigen Jack aber zum Albtraum. Mit einer am Spielfilm geschulten Kamera fängt der Regisseur mit beeindruckender Präzision das Kräftemessen nicht nur zweier ungleicher Charaktere ein.

Cornelia Klauß

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
Café Waldluft Matthias Koßmehl

Seit die italienischen Touristen wegbleiben, bewohnen Flüchtlinge das Hotel im bayrischen Alpenidyll. Mal komisch, mal tragisch kreuzen sich Lebenswege. Ein Heimatfilm besonderer Art.

Café Waldluft

Dokumentarfilm
2015
79 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Matthias Koßmehl
Matthias Koßmehl
André Feldhaus
Bastian Esser
Andreas Nicolai
Matthias Koßmehl
Till Wollenweber
Einst kamen die Touristen in ganzen Busladungen, um im schönen Café Waldluft einen Platz an der Sonne zu suchen, zumindest für die Zeit ihres wohlverdienten Urlaubs. Seit zwei Jahren aber beherbergt das Traditionshotel in Berchtesgaden, mit Blick auf den deutschen „Schicksalsberg“ Watzmann und seine Ausläufer, Gäste aus anderen Regionen der Welt: Sie stammen aus Syrien, Afghanistan oder Sierra Leone und haben sich das Alpen-Musteridyll keineswegs ausgesucht. Ihr Aufenthalt als Asylbewerber ist geprägt von endlosem Warten, ermüdenden Behördengängen, Heimweh und Sorge um ihre Verwandten.

Seither hat sich die Dynamik im Städtchen verändert. Doch wenn Matthias Koßmehl seinen Film mit einer bayrischen Trachtenparade in Zeitlupe eröffnet, dann nur, um mit den Erwartungen, die dieses Klischee hervorruft, aufzuräumen und stattdessen nüchtern, aber offenen Herzens zu schauen, was für Begegnungen wirklich stattfinden an diesem sonderbaren Ort. Da ist Mama Flora, die Inhaberin, die sich gottergeben um jeden ihrer Schützlinge kümmert, und da ist die ostdeutsche Köchin, die hier ihre Wahlheimat gefunden hat. Die Zufallsbegegnungen mit Stammkunden oder Wanderern und das alltägliche Miteinander im Haus entsprechen einer Vielzahl sich kreuzender Lebenspfade. Der Watzmann, ob verhangen oder klar, bleibt stets am Horizont. Ein dokumentarischer Heimatfilm, in dem das Wort Heimat viele Facetten hat.

Lars Meyer



Ausgezeichnet mit dem DEFA-Förderpreis 2015

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Deutscher Wettbewerb
Der Kuaför aus der Keupstraße Andreas Maus

Das NSU-Nagelbombenattentat, bei dem 2004 in Köln 22 Menschen verletzt und später nur die Opfer verdächtigt wurden. Vielschichtig inszenierte Rekonstruktion eines Skandals.

Der Kuaför aus der Keupstraße

Dokumentarfilm
2015
92 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Herbert Schwering, Christine Kiauk
Andreas Maus
Maciej Sledziecki
Hajo Schomerus
Rolf Mertler
Maik Baumgärtner, Andreas Maus
Ralf Weber
Der Mittwochnachmittag ist mit Bedacht gewählt. Vor und in dem Friseurgeschäft der Brüder Özcan und Hasan Yildirim ist viel los, als sich am 9. Juni 2004 plötzlich 700 zehn Zentimeter lange Tischlernägel mit einer Reichweite von 250 Metern in Projektile verwandeln. Sie verletzen 22 Menschen. So infam der Anschlag ist, so skandalös der Verlauf der Ermittlungen: Verdächtigt werden die Opfer. Überwachungsvideos wertet man nicht aus und Bundesinnenminister Otto Schily schließt einen rechtsradikalen Hintergrund dezidiert aus. Erst 2011 wird mit den Enthüllungen über die rechtsextreme terroristische Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ auch diese Tat aufgedeckt. Der Prozess dauert bis heute an.

Der Regisseur Andreas Maus konzentriert sich darauf, zehn Jahre nach dem Kölner Nagelbomben-Attentat jenen eine Stimme zu geben, die lange niemand hören wollte. Die von ihm angewandten Erzählstrategien zielen auf Distanz, um freizulegen, mit welcher Systematik vertuscht, verschwiegen und verdrängt wurde. Dokumentarisches und inszeniertes Material verschränken sich miteinander, Schauspieler agieren neben Betroffenen, Räume werden rekonstruiert. Die vielstrapazierten Fernsehbilder überschreibt Andreas Maus mit seinen Bild-Erfindungen. Die Kamera hält inne, der Blick, der auf den Zuschauer gerichtet ist, gefriert. Was eigentlich kommt nach der „Willkommenskultur“, möchte man fragen?

Cornelia Klauß

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Internationales Programm
Floating Life Haobam Paban Kumar

Auf dem Loktak-See in Indien lebten Fischer seit jeher auf schwimmenden Inseln. Bis die Regierung deren Räumung anordnete … Bewegendes Dokument verzweifelten Widerstands.

Floating Life

Dokumentarfilm
2014
54 Minuten
Untertitel: 
englische
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Films Division
Haobam Paban Kumar
Sankha
Der Loktak ist der größte Süßwassersee im Nordosten Indiens und einzigartig durch seine Schilfinseln, die frei auf dem Wasser treiben. Seit Jahrhunderten nutzen Fischer die schwimmende Biomasse als Baugrund für ihre Hütten. Doch damit ist spätestens seit 2011 Schluss, als die Regierung die Umsiedlung der rund 4.000 auf dem See lebenden Menschen beschloss. Begründung: Die Fischer seien verantwortlich für die zunehmende ökologische Belastung des Loktak. In einer ersten Räumaktion in jenem Jahr brannte die Polizei 300 Hütten nieder. Von den Menschen, die daraufhin weggingen, kamen viele wieder, weil sie keine Alternative haben.

Etwa drei Jahre später folgt Haobam Paban Kumar in seinem in Indien vielfach ausgezeichneten Film den Ereignissen auf dem See. Mit sicherem Gespür für die Ängste und Nöte der Menschen beobachtet er zunächst deren geschäftigen Alltag. Die Ereignisse von 2011 sind überall präsent – ebenso die Entschlossenheit der Inselbewohner, sich nicht wieder vertreiben zu lassen. Denn die Staatsmacht rüstet sich erneut, um die traditionelle Lebensform wegen vermeintlich übergeordneter Interessen zu vertreiben. Von der Räumung der Siedlungen erzählt der Film in bewegenden Szenen. Die Fischer und ihre Familien jedenfalls wehren sich mit der Kraft der Verzweiflung. Wo sie siegen, zieht die Polizei ab. Für den Moment. Wo die Hütten niederbrennen, bauen sie sie wieder auf.

Matthias Heeder

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Lampedusa in Winter

Dokumentarfilm
2015
93 Minuten
Untertitel: 
englische
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Jakob Brossmann
Jakob Brossmann
Serafin Spitzer, Christian Flatzek
Nela Märki
Mit Einsetzen des Flüchtlingsstroms über das Mittelmeer wurde die winzige italienische Insel Lampedusa zur Projektionsfläche paranoider Fremdenhasser wie zum Symbol einer unmenschlichen Asylpolitik. Im Winter 2014 reist der Theater- und Filmemacher Jakob Brossmann auf die Insel, um zu untersuchen, wie es um das Leben dort wirklich bestellt ist.

Touristen und Medien sind fort und die wirklichen Probleme der Bewohner treten in den Vordergrund: Die alte Fähre, überlebensnotwendig, ist abgebrannt und wurde durch eine noch ältere ersetzt. Deshalb treten die Fischer in den Ausstand. Eine Gruppe von Flüchtlingen, die seit Monaten hier festsitzt, will endlich aufs Festland. Sie streiken vor der Kirche. Weil es keine Fähre gibt, stapelt sich der Müll und die Lebensmittel werden knapp. Mitten in dieser angestrengten Lage kämpfen die Bürgermeisterin und eine engagierte Anwältin aus tiefster persönlicher Überzeugung um menschliche Lösungen.

Brossmanns Blick ist unaufdringlich und genau. Mit sicherer Hand führt der Regisseur durch die Ereignisse dieser Krise, während er uns gleichzeitig Orte und Menschen vorstellt, die mit dem Schicksal der Migranten verbunden sind. Bemerkenswert ist, dass Bewohner und Flüchtlinge sich nicht gegeneinander instrumentalisieren lassen. Beide sind Opfer der gleichen zynischen Politik. Das herauszuarbeiten ist die große Stärke dieses Films.

Matthias Heeder

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Internationales Programm
North Çayan Demirel, Ertuğrul Mavioğlu

Durchs wilde Kurdistan: Kämpferinnen und Kämpfer der PKK über ihre Motive, ihren Alltag, ihr Volk, ihr Recht auf Widerstand. Ein Film, der Stellung bezieht. In der Türkei verboten.

North

Dokumentarfilm
2015
96 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Ayşe Çetinbaş
Çayan Demirel, Ertuğrul Mavioğlu
Koray Kesik
Burak Dal
Ahmet Bawer Aydemir
Auf dem Istanbul Film Festival 2015 kam es zu einem handfesten Skandal, der – siehe Internetzensur, siehe Taksim-Platz – nicht wirklich überraschte: Ein Film über die kurdische PKK-Guerilla musste aufgrund der Intervention des türkischen Kulturministeriums kurzfristig aus dem Programm genommen werden. „North“ folgt Fragen, die sich um nationale Identität, die Geschichte der PKK, Menschenrechte und die Rolle der Frau bewegen. Hintergrund der Erzählung bilden Szenen aus verschiedenen Ausbildungslagern der PKK in der bergigen Grenzregion zwischen der Türkei, Syrien und dem Irak. Selbstbewussten jungen Menschen sind die Regisseure hier begegnet. Illusionslos in der Beschreibung der kurdischen Situation und sehr persönlich in der Darlegung ihrer Motive gelingt es dem Film, individuelle Schicksale glaubwürdig und authentisch mit dem Begriff von Heimat und dem Recht auf Widerstand zu koppeln. Auf einer zweiten Ebene wird diese persönliche Sichtweise durch politisch-historische Einschätzungen militärischer und politischer Führungskräfte der PKK erweitert. „North“ ist ein politischer Film, der eindeutig Stellung bezieht und Selbstbestimmung als universelles Menschenrecht beschreibt. In einem Land, in dem jeder verdächtig ist, der nicht die Meinung des Präsidenten teilt, ganz sicher eine Provokation. Aber welch paranoide Antwort.

Matthias Heeder

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Internationales Programm
Oriented Jake Witzenfeld

Jung, cool und schwul: drei Palästinenser in Tel Aviv zwischen langen Partynächten und dem Kampf gegen Ausgrenzung in der eigenen Familie, in der arabischen Gesellschaft und in Israel.

Oriented

Dokumentarfilm
2015
83 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Jake Witzenfeld, Yoav Birenfeld
Jake Witzenfeld
Tamir Muskat
David Stragmeister, Michael Miroshnik, Omar Sawalha
Nili Feller
Jake Witzenfeld
Aviv Aldema
Sie sind jung und lebenshungrig, haben studiert, ihr Lebensstil ist urban. Coole Jungs, die beweisen wollen, dass sie für eine neue Generation stehen. Khader, Fadi und Naeem haben zwar einen israelischen Pass, verstehen sich jedoch zuallererst als Palästinenser. Außerdem sind sie Vegetarier, Atheisten und Feministen. Und vor allem schwul. Während Naeem noch mit seinem Coming-out kämpft, ist Khader schon einen Schritt weiter. Sein Freund ist Israeli. Sie sind alle Outsider, das verbindet. Auch wenn sie in Tel Aviv in die Anonymität der langen Partynächte eintauchen können – die Realität holt sie immer wieder ein: die Familie, die sich abwendet, und Israelis, die Vorurteile gegen jeden Palästinenser, egal ob straight oder schwul, hegen. Der politische Konflikt überlagert alles.

Der Brite Jake Witzenfeld begleitet die drei Freunde über ein Jahr lang, um hinter die Coolness zu schauen. Er lässt sie posen, arrangiert Musik-Clips, wird Teil ihres Alltags, ist bei den Elternbesuchen dabei – und findet Momente, in denen die Utopie eines anderen Lebens möglich scheint. Zwischen all dem politisch-rassistischen Gebell und Gebrüll wirken die drei Freunde wie Lämmer.

---Cornelia Klauß

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

The Dybbuk. A Tale of Wandering Souls

Dokumentarfilm
2015
90 Minuten
Untertitel: 
englische
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Krzysztof Kopczyński, David Herdies, Gennady Kofman
Krzysztof Kopczyński
Jacek Petrycki, Serhiy Stefan Stetsenko
Michał Leszczyłowski
Krzysztof Kopczyński
Mateusz Adamczyk, Marcin Lenarczyk, Sebastian Witkowski
Mit einem Ausschnitt aus dem jiddisch-sprachigen polnischen 30er-Jahre-Klassiker „Der Dybbuk“ reißt gleich zu Beginn eine Wunde auf: Die Welt des Schtetls mit ihrem alten Volksglauben gibt es nicht mehr. Doch der Totengeist, der Dibbuk, wandert auch jetzt noch umher. Und er hat viele Gesichter.

Aus der Vergangenheit tauchen wir im ukrainischen Uman kurz vor dem „Euromaidan“ wieder auf. Ein heiliger Ort für Tausende orthodoxe Juden, die während des Neujahrsfestes zum Grab des chassidischen Rabbis Nachman pilgern und das Stadtbild verwandeln. Zum Ärger ukrainischer Mitbürger, die sich vor einem Ausverkauf fürchten und mit Provokationen reagieren. Mal mit einem illegal aufgestellten Kreuz, mal mit einer Informationstafel zu Ehren des antisemitischen Kosakenführers und Schlächters Ivan Gonta. Oder etwas subtiler mit Extragebühren für einen koscheren Imbiss.

Die Welten prallen vielgestaltig aufeinander. Mit großer Neugierde fängt Krzysztof Kopczyński die kaum zu vereinbarenden Legenden und Rituale ein, die auf beiden Seiten zum Leben erwachen. Hier ein vollkommen verarmtes Land im Selbstfindungsprozess, begleitet von nationalistischen Tönen. Dort eine verlorene Tradition und die Erfahrungen des Holocausts. Wem gehört das Land? Der Film schöpft aus der Fülle des Materials, das voller Eindrücke, ungeschliffener Szenen und Fabeln steckt, und fördert dabei auch Unerwartetes zu Tage.

Lars Meyer

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

The Event

Dokumentarfilm
2015
74 Minuten
Untertitel: 
englische
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Sergei Loznitsa, Maria Choustova, Nicola Mazzanti
Sergei Loznitsa
Sergei Loznitsa, Danielius Kokanauskis
Sergei Loznitsa
Vladimir Golovnitski
Wie schon in früheren Filmen verwendet Sergei Loznitsa Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus Archiven, um damit Geschichte zu rekonstruieren, wenn nicht zu konstruieren. Es sind Bilder des historischen Ereignisses, das den endgültigen Zerfall der Sowjetunion einleitete: der gescheiterte Putschversuch am 19. August 1991. In den Straßen von Sankt Petersburg, das damals noch Leningrad hieß, stehen die Menschen. Die Kamera bewegt sich durch die Massen und erfasst Gesichter, ihr Ausdruck: nichtwissend. Sie alle warten und hören den endlosen Verlautbarungen zu.

Loznitsas gekonnte künstlerische Intervention betrifft die Tonspur. Während des dreitägigen Coup d‘État sendete das staatliche Fernsehen der UdSSR – wie stets in Krisensituationen – ununterbrochen Aufzeichnungen des Tschaikowski-Balletts „Schwanensee“. Der Regisseur nimmt das Musikmotiv auf, es gliedert den Film in Kapitel. Die Berichterstattung aus dem Radio ist ein weiteres narratives Element, das Loznitsa zu seinem Quasi-Kommentar macht und damit den Zustand der Unsicherheit, des Nicht-Wissens und der Nicht-Information unterstreicht. Dennoch geht es nicht um eine Neu-Interpretation der Geschichte, sondern eher darum, die Oberfläche des Realen zu durchdringen und nach Deutungsmöglichkeiten zu suchen – in der Hoffnung, zu einer Erkenntnis zu gelangen, wie Aufstände und Machtwechsel generell funktionieren.

Zaza Rusadze



Ausgezeichnet mit dem Filmpreis "Leipziger Ring"

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