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Deutscher Wettbewerb Kurzfilm
Boy Ginan Seidl, Yalda Afsah

Wie entkommt ein Mädchen den Restriktionen, die der weiblichen Rolle in einer traditionellen Gesellschaft eingeschrieben sind? Indem sie zum „Boy“ wird. In Afghanistan sind „bacha posh“ Mädchen, die als Jungen aufgezogen werden.

Boy

Dokumentarfilm
2015
30 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Ray Peter Maletzki, Stephan Helmut Beier
Ginan Seidl, Yalda Afsah
Ginan Seidl
Ginan Seidl, Yalda Afsah
Steffen Martin, Manuela Schininá
Bildung DOK Leipzig Logo

Altersempfehlung: ab 14 Jahren 
Klassenstufen: ab 9. Klasse

Themen: Gender, Identität, Sexualität, fremde Kulturen, Kindheit, Außenseiter 
Unterrichtsfächer: Deutsch, Gemeinschaftskunde, Politik, Kunst, Ethik, Religion

Zum Inhalt

Warum dürfen Jungs oft mehr als Mädchen? Warum gelten Mädchen immer als braver? Warum spielen tradierte Geschlechterrollen – bei uns und anderswo in der Welt - bis heute eine so große Rolle?

In unserer nächsten Schulvorstellung steht die Frage im Mittelpunkt, wie Kinder und Jugendliche damit umgehen (können), dass bis heute gesellschaftliche Vorgaben existieren, die festlegen, was typisch männlich und was typisch weiblich ist.

Der Dokumentarfilm Boy, der das Leipziger Publikum im Wettbewerb 2015 begeisterte, widmet sich dieser Frage am Beispiel zweier junger Frauen, die in Afghanistan aufgewachsen sind, wo Mädchen und Frauen in ihrem Recht auf Entfaltung ausgesprochen stark eingeschränkt werden.

Beide Frauen haben sich entschieden, diese Einschränkungen nicht hinzunehmen und einen ungewöhnlichen Weg gewählt, sich dagegen zur Wehr zu setzen: sie sind zum Boy geworden. Der Film zeigt Ausschnitte aus dem Alltag der 14- jährigen Faranoz, die in Afghanistan als Junge aufwuchs und verwebt diese mit den Erfahrungen einer jungen afghanischen Sängerin in London, die ebenfalls in ihrer Kindheit Jungenkleidung trug, um sich freier in der Gesellschaft zu bewegen. Der Film hinterfragt gesellschaftliche Stereotype, die nicht nur in der afghanischen Gesellschaft wirken und zeigt zwei beeindruckende junge Frauen, die sich die Freiheit nehmen, sich nicht durch ihr Geschlecht definieren zu lassen.

Wie entkommt ein Mädchen den Restriktionen, die der weiblichen Rolle in einer traditionellen Gesellschaft eingeschrieben sind? Indem sie zum „Boy“ wird. In Afghanistan sind „bacha posh“ Mädchen, die als Jungen aufgezogen werden. Das Künstlerinnenduo Afsah/Seidl folgt zwei Mädchen und ihrer Entscheidung, welche Rolle sie im Leben einnehmen wollen. In traumhaften Bildern, die in langen Kamerafahrten die Menschen als Teil eines sozialen Umfelds erfassen, gelingt eine berührende Etüde über Gender und Freiheit.



Grit Lemke


Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
Der Kuaför aus der Keupstraße Andreas Maus

Das NSU-Nagelbombenattentat, bei dem 2004 in Köln 22 Menschen verletzt und später nur die Opfer verdächtigt wurden. Vielschichtig inszenierte Rekonstruktion eines Skandals.

Der Kuaför aus der Keupstraße

Dokumentarfilm
2015
92 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Herbert Schwering, Christine Kiauk
Andreas Maus
Maciej Sledziecki
Hajo Schomerus
Rolf Mertler
Maik Baumgärtner, Andreas Maus
Ralf Weber
Der Mittwochnachmittag ist mit Bedacht gewählt. Vor und in dem Friseurgeschäft der Brüder Özcan und Hasan Yildirim ist viel los, als sich am 9. Juni 2004 plötzlich 700 zehn Zentimeter lange Tischlernägel mit einer Reichweite von 250 Metern in Projektile verwandeln. Sie verletzen 22 Menschen. So infam der Anschlag ist, so skandalös der Verlauf der Ermittlungen: Verdächtigt werden die Opfer. Überwachungsvideos wertet man nicht aus und Bundesinnenminister Otto Schily schließt einen rechtsradikalen Hintergrund dezidiert aus. Erst 2011 wird mit den Enthüllungen über die rechtsextreme terroristische Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ auch diese Tat aufgedeckt. Der Prozess dauert bis heute an.

Der Regisseur Andreas Maus konzentriert sich darauf, zehn Jahre nach dem Kölner Nagelbomben-Attentat jenen eine Stimme zu geben, die lange niemand hören wollte. Die von ihm angewandten Erzählstrategien zielen auf Distanz, um freizulegen, mit welcher Systematik vertuscht, verschwiegen und verdrängt wurde. Dokumentarisches und inszeniertes Material verschränken sich miteinander, Schauspieler agieren neben Betroffenen, Räume werden rekonstruiert. Die vielstrapazierten Fernsehbilder überschreibt Andreas Maus mit seinen Bild-Erfindungen. Die Kamera hält inne, der Blick, der auf den Zuschauer gerichtet ist, gefriert. Was eigentlich kommt nach der „Willkommenskultur“, möchte man fragen?

Cornelia Klauß

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Internationales Programm Kurzfilm
Die Angst des Wolfs vor dem Wolf Juliane Jaschnow

Ein Heulen im Nichts. Eine Gestalt bewegt sich vor und zurück, im blutrot flackernden Licht eines doppelten Zweikampfs. Der mit dem Wolf, aber mehr noch der mit der Angst vor dem Wolf. Ohne Entrinnen, auf Messers Schneide – wortgewaltig.

Die Angst des Wolfs vor dem Wolf

Animationsfilm
2014
5 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Ostpol e.V.
Juliane Jaschnow
Juliane Jaschnow
Juliane Jaschnow
Juliane Jaschnow
Stefan Petermann
Juliane Jaschnow, Stefan Petermann
Ein Heulen im Nichts. Eine Gestalt bewegt sich vor und zurück, im blutrot flackernden Licht eines doppelten Zweikampfs. Der mit dem Wolf, aber mehr noch der mit der Angst vor dem Wolf. Ohne Entrinnen, auf Messers Schneide – wortgewaltig. Ein minimalistisches wie eindringliches filmisches Poem von Filmemacherin Juliane Jaschnow und Autor Stefan Petermann über die Dialektik von Opfer- oder Täterwerdung. Auf welcher Seite du auch stehst: Du wirst verlieren, wenn du bleibst, wer du bist.

Nadja Rademacher

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Internationales Programm Kurzfilm
No Signal Katharina Huber

Die Gewaltaktion ist geplant. Ob als Protest oder einfach nur als Statement, das Manifest und der Stein zum Werfen liegen schon bereit. Jetzt heißt es warten, die Zeit totschlagen und sich mental auf die Konfrontation vorbereiten.

No Signal

Animationsfilm
2014
6 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
Credits DOK Leipzig Logo
Katharina Huber
Wolf Eyes
Katharina Huber
Marian Mentrup
Die Gewaltaktion ist geplant. Ob als Protest oder einfach nur als Statement, das Manifest und der Stein zum Werfen liegen schon bereit. Jetzt heißt es warten, die Zeit totschlagen und sich mental auf die Konfrontation vorbereiten. Wie ein Krieger. Doch die Angst geht nicht weg und jedes Geräusch, jede Bewegung erinnert an das, was gleich passieren kann.

Annegret Richter

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Internationales Programm
Valentina, 26 Alexander Riedel

Mit vier kam sie aus dem Kosovo und ist nach Jahren der „Duldung“ angekommen. Beispiel einer geglückten Integration, vor allem aber Porträt einer wilden Braut, das Spaß macht.

Valentina, 26

Dokumentarfilm
2015
45 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Bettina Timm
Alexander Riedel
Michael Leuthner
Ulrike Tortora
Björn Rothe
2007 haben wir Valentina in Leipzig kennengelernt: als Protagonistin in Alexander Riedels Film „Draußen bleiben“. Mit ihrer ungebremsten Vitalität und Aggressivität inmitten der Agonie eines Münchner Asylbewerberheims hat sie nachhaltigen Eindruck hinterlassen – auch wenn man nicht glauben konnte, dass sie so einfach ihren Weg machen würde in diesem Deutschland, das schon damals auf eine wie sie – aus dem Kosovo („Wirtschaftsflüchtling“!) – nicht gewartet hatte.

1. Valentina selbst hat den Film nie ganz gesehen oder kann sich zumindest nicht erinnern, wie sie heute, acht Jahre später – in ihrer unnachahmlichen Art, die sich Gottseidank nicht geändert hat – gleich mal klarstellt. Und 2., nein, einfach hat sie ihren Weg nicht gemacht. Aber gemacht hat sie ihn, auf beeindruckende Weise.

Ist das nicht langweilig – ein Film über eine geglückte Integration? Wo bleibt denn da die viel beschworene „Fallhöhe“? Liebe Leute, seht euch Valentina an! In das Schema „positive Heldin“ lässt die sich nicht pressen. Spätestens, wenn man sie mit einem Patienten (herhören: sie arbeitet in der Pflege!), lässig auf dessen Rollstuhllehne gefläzt, mit Kippe im Mundwinkel, durch München hat speeden sehen, weiß man: Der Sponti-Stoßseufzer der Vergangenheit „Lasst uns mit diesen Deutschen nicht alleine!“ ist erhört worden. Von solchen wie Valentina können wir gar nicht genug haben.

Grit Lemke

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.