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15 Corners of the World

Dokumentarfilm
2014
75 Minuten
Untertitel: 
englische
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Marta Golba, Erik Winker
Zuzanna Solakiewicz
Eugeniusz Rudnik
Zvika Gregory Portnoy
Mateusz Romaszkan
Zuzanna Solakiewicz
Marcin Lenarczyk
„Digital ist besser“ – dieser 90er-Jahre-Titel der deutschen Band Tocotronic ist hierzulande zum geflügelten Wort geworden, das kaum noch hinterfragt wird. Wie gut, dass wir nun eindrücklich an die einzigartigen Möglichkeiten der analogen Technik erinnert werden. Fantasievoll führt der Film vor, welche Räume uns mit ihr verloren gehen. Ausgangspunkt der audiovisuellen Reise ist das legendäre Experimentalstudio des Polnischen Radios, wo in den 60ern Science-Fiction-Klänge erzeugt wurden, in einem Tonlabor, das selbst wie die Schaltzentrale eines Raumschiffes wirkte. Einst einer der Pioniere der Elektroakustischen Musik, arbeitet der eigensinnige Komponist Eugeniusz Rudnik aber noch immer wie besessen an seinem analogen Schnittplatz daran, unbekannte Klangsphären zu erzeugen, um damit der menschlichen Natur auf den Grund zu gehen. Ein weggeworfener Tonbandstreifen, eine Stimme, ein Stein, alles kann zum Basismaterial für eine Komposition werden. Auch ein Haus – was zu beweisen wäre.

Das augenzwinkernde Porträt des Künstlers als Klangtüftler lädt zu visuellen Erkundungen seiner Tonwelten ein. Die Kamera geht selbst experimentelle Wege, übersetzt die akustischen Dimensionen in Architektur, Tanz oder auch Landschaft, bietet vielschichtige Deutungen an und schafft somit ein synästhetisches Erlebnis für die große Leinwand. Man muss wohl kaum hinzufügen, dass der Film auch eine Ode an das analoge Zeitalter darstellt.

Lars Meyer

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

6 Degrees

Dokumentarfilm
2013
84 Minuten
Untertitel: 
englische
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Anna Wydra, Izabela Łopuch, Tomasz Tokarski
Bartosz Dombrowski
Wojtek Zieliński
Izabela Pająk, Mateusz Romaszkan
Bartosz Dombrowski
Błażej Kafarski
Die Welt steckt voller Geheimnisse. Oder kennen Sie die Theorie, nach der jeder Mensch auf diesem Planeten mit jedem anderen über maximal sechs Bekanntschaften verbunden ist? Was heißt hier Theorie? Bartosz Dombrowski macht die Probe aufs Exempel und lädt den Zuschauer zu einem Roadmovie der ganz besonderen Art ein: von einer zufällig ausgewählten Punkmusikerin in Warschau zu einem zufällig ausgewählten Bauern in Mexiko über maximal sechs Kontakte zu gelangen. Wie das funktioniert? Die Musikerin vermittelt das Filmteam an einen Punk-Veteranen in London, dieser schickt sie weiter zu einer entfernt bekannten Familientherapeutin in Miami, die wiederum kennt den Wahlkampfleiter eines mexikanischen Präsidentschaftskandidaten in Mexiko-Stadt etc. Mit jedem Kontakt verringert sich die Distanz zu Marco, dem mexikanischen Bauern und Ziel all ihrer Bemühungen. Nun wäre diese Geschichte nicht mehr als eine vergnügliche globale Schnitzeljagd, wenn der Regisseur die vordergründige Suche nicht als Einstieg in die jeweils verschiedenen Lebenssituationen und Geschichten der zufälligen Protagonisten nutzen würde. Auf dieser Ebene stellt sich ein überraschender Effekt ein: Wir entdecken uns selbst.

Diese Menschen könnten in meiner Stadt leben. Ihre Erfahrungen und Geschichten sind uns nicht fremd, beruhen sie doch auf einem universellen kulturellen Code, der uns als Geschwister verbindet.

Matthias Heeder

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A Diary of a Journey

Dokumentarfilm
2013
52 Minuten
Untertitel: 
englische
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Anna Gawlita
Piotr Stasik
Motion Trio
Piotr Stasik, Tomasz Wolski
Piotr Stasik, Tomasz Wolski
Tadeusz hat sein Leben der Fotografie gewidmet, besonders der Reportagefotografie. Nun ist er alt und gibt seine Kunst weiter, an Michal, einen hochmotivierten 15-Jährigen. Gemeinsam gehen sie auf Reise, klappern in ihrem Van mit eingebauter Dunkelkammer die polnischen Dörfer ab und porträtieren unterwegs die Menschen. Ihre Schwarzweißbilder fügen sich zu einem fotografischen Reisetagebuch zusammen. Piotr Stasik hat einen eigenen, poetischen Ansatz gefunden, die Arbeit von Tadeusz Rolke, der unter anderem für „Spiegel“ und „Stern“ fotografi erte, einzufangen: als dokumentarisches Roadmovie, das zugleich wie eine Zeitreise wirkt. Von Anfang an versprüht das Unternehmen etwas Altmodisches. Dabei geht es nicht nur um das gute alte analoge Bild. Wenn die entwickelten Fotos auf Wäscheleinen über den leeren Marktplatz gespannt werden, ermöglicht das einfach Begegnungen, die auf Facebook gar nicht stattfinden würden. Doch im Zentrum steht die Begegnung zwischen Alt und Jung. Der Meister und sein Schüler bilden dabei ein unkonventionelles Team, bei dem die Rollen sich auch mal verkehren können. Was Tadeusz im Leben versäumt hat, kann Michal immer noch nachholen. So erzählt der Film letztendlich auch von der Lebensreise. An großen Themen fehlt es ihm also nicht. Doch mit welcher Leichtigkeit er sie zusammenfügt, charakterisiert ihn wirklich. Über alles legt sich der Zauber eines Sommers.

Lars Meyer

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Brothers

Dokumentarfilm
2015
68 Minuten
Untertitel: 
englische
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Małgorzata Staroń
Wojciech Staroń
Wojciech Staroń
Zbigniew Osiński, Wojciech Staroń
Wojciech Staroń
Die ersten Sätze fallen noch auf Russisch. Dann finden die Brüder Mieczysław und Alfons ins Polnische zurück. 70 Jahre nachdem sie ins sibirische Exil geschickt wurden, sind sie wieder da, in ihrer masurischen Heimat. Doch abgesehen von der Sprache könnten sie sich auch noch in Sibirien oder Kasachstan befinden: Die Stationen ihres Lebens wurden mit den Jahren zeit- und ortlos, wie Ausschnitte ihrer selbstgedrehten Schmalfilme, vergilbte Erinnerungsspuren, nahelegen.

Regisseur und Kameramann Wojciech Staroń begleitet die Brüder auf ihrem letzten gemeinsamen Abschnitt, quotiert ihre kleinen verbalen Kabbeleien und sucht intime Momente, die auch ohne Worte Auskunft darüber geben, dass sie stets aufeinander angewiesen waren. Der eine malt, der andere hält die Leiter, auch noch mit letzter Kraft. Mit schlafwandlerischer Sicherheit fängt Starońs Kamera symbolische Bilder ein, die das Mit- und Nebeneinander der Brüder spiegeln. Zwei Traktoren, die sich am Horizont verfolgen. Zwei Stege in den See, der eine schon etwas morscher. Zwei Bäume auf dem schneeverwehten Feld, der weiter entfernte kaum sichtbar. So gelingt ihm zugleich eine Rückübersetzung von Alfons’ mystischen Naturmalereien in die Gegenwart, in der für die Brüder ein ganz realer Abschied bevorsteht. Die poetische Bilanz eines Lebens zu zweit.

Lars Meyer



Ausgezeichnet mit der Goldenen Taube im Internationalen Wettbewerb und dem Preis der Ökumenischen Jury 2015

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Communion

Dokumentarfilm
2016
72 Minuten
Untertitel: 
englische
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Anna Wydra, Anna Zamecka, Zuzanna Król, Hanka Kastelicova, Izabela Łopuch
Anna Zamecka
Małgorzata Szyłak
Agnieszka Glińska, Anna Zamecka, Wojciech Janas
Anna Zamecka
Marcin Kasiński, Marcin Lenarczyk, Anna Rok, Katarzyna Szczerba
Ola ist ein ganz normales Mädchen mit einer Sehnsucht nach stabilen Verhältnissen. Doch die kleine Welt, die sie mit aller Kraft bewahren will, bleibt ein Kartenhaus. Mit 14 ist sie bereits in die Rolle der abwesenden Mutter geschlüpft, erzieht ihren autistischen Bruder Nikodem und telefoniert ihrem Vater hinterher, damit er nicht in der Kneipe versackt. Zu dritt leben sie auf engstem Raum zwischen uralten Mustertapeten. Wenn die Waschmaschine schleudert, müssen die labilen Möbelstücke festgehalten werden. Trotzdem hofft Ola weiter auf die Rückkehr der wirklichen Mutter.

Dreh- und Angelpunkt ist Nikodems bevorstehende Kommunion. Hier in der polnischen Provinz bleibt der Religionsunterricht einer der letzten Fixpunkte, auch wenn er offenkundig an den Problemen vorbeigeht. Wenn Ola ihren Bruder für diesen Tag trimmt, ihm die schwärzesten Szenarien im Fall seines Versagens ausmalt (denn die Sünde lauert überall), entfaltet sich vor der Kamera das intensive und emotionsreiche Verhältnis zwischen zwei auf sich gestellten Jugendlichen. Dazu gehören Olas Wutausbrüche und die kurzen Momente des Glucks, die sie erlebt, ebenso wie Nikodems fast anarchisches Fehlverhalten und seine selten abbrechenden Satzfetzen, die wie höhere Weisheiten klingen. Der Realität, die kaum Raum zum Atmen lässt, eingefangen mit beklemmender Unmittelbarkeit, setzen die Teenager all ihre Lebenskraft entgegen.

Lars Meyer



Ausgezeichnet mit dem Young Eyes Film Award 2016

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Deep Love

Dokumentarfilm
2013
84 Minuten
Untertitel: 
englische
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Marta Łachacz (Cor Leonis Production), Anna Wydra (Otter Films)
Jan P. Matuszyński
Atanas Valkov
Kacper Fertacz
Przemysław Chruścielewski
Jan P. Matuszyński
Marcin Lenarczyk, Franciszek Kozłowski
Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Und wenn er 100 Meter in die Tiefe muss, dann reichen 98 Meter eben nicht aus. Janusz verkörpert diesen Typ Mann, der mit dem Kopf durch die Wand muss, um seine Leidenschaft zu leben, auch unter Todesgefahr. Selbst sein Schlaganfall vor drei Jahren hält ihn nicht davon ab, für eine neue Herausforderung zu trainieren. Im Gegenteil, er und sein Tauchpartner spielen mit dem gefährlichen Gedanken, er könne unter Wasser zu seinem alten Leben zurückkehren: die Gewalt über die Körpermechanik und seine Sprache zurückerlangen. Das allein ginge vielleicht noch als die Geschichte eines unbelehrbaren Extremsportlers durch. Aber das eigentliche Drama trägt nicht etwa Janusz, sondern seine Freundin Joanna aus. Als Tauchtherapeutin versteht sie ihn, doch als Freundin bangt sie um ihn. Sie kämpft mit ihm um jeden Meter Tiefe. Es ist das verzweifelte Ringen um Verantwortung, um Mäßigung, um eine lebbare Liebe. Der Film lässt sich von vielen Seiten her betrachten. Man kann Janusz als typisch männlichen Abenteurer oder als Egoisten sehen – oder auch als jemanden, der sich als Projektionsfläche für seine Umgebung eignet, da er sich nicht mehr verständlich machen kann. Vielleicht will nicht er, sondern die Expertengruppe, die sich um ihn schart, der Welt etwas beweisen. Nur eins wird immer deutlicher: Die ganze Last bleibt bei der Frau. Wo liegen ihre Grenzen?

Lars Meyer

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Entangled

Dokumentarfilm
2012
51 Minuten
Untertitel: 
englische
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Maciej Kubicki, Anna Kępińska (Telemark)
Lidia Duda
Bartosz Straburzyński
Wojciech Staroń
Agnieszka Bojanowska, Jakub Śladkowski
Lidia Duda
Als eines von mehreren Kindern wird Maciek von seinem Nachbarn missbraucht. Robert wird verurteilt, doch nach der Entlassung beginnt alles von vorn. Maciek beschließt, der Sache ein Ende zu machen, und sitzt nun wegen versuchten Mordes im Jugendgefängnis. Robert, im Kinderheim aufgewachsen und dort selbst missbraucht, lebt bei seiner alten Tante, wo regelmäßig die Fensterscheiben eingeschlagen werden. Bis man ihn erneut mit Kindern sieht …

Lidia Duda erzahlt die Geschichte eines fortgesetzten Verbrechens, von Schuld und Sühne, nüchtern, ohne aufgesetzte Emotionen, Verurteilungen oder Entschuldigungen. Unaufgeregt berichten die Manner aus dem Off, unterbrochen von kurzen Alltagsszenen und Erzählungen von Angehörigen oder Briefen. In einer schnellen Montage wechseln ständig die Perspektiven und die Biografien von Opfer und Täter werden zunehmend miteinander verschränkt. Vor allem aber sprechen die Bilder des in Leipzig mehrfach preisgekrönten Wojciech Staroń: oft angeschnitten, selten ein Ganzes ergebend, verharrend auf Details oder aber aus dem Hintergrund, scheinbar unbeteiligt, beobachtend. Lediglich die Bilder des Ortes, an dem sich das alles abspielt, suggerieren Normalität. Die aber nimmt man einer Gesellschaft, die Täter und Opfer sich selbst überlässt und in der Selbstjustiz die einzige moralische Instanz zu sein scheint, nicht ab. Die Menschen indessen sind gefangen in Raumen aus Angst, Hilflosigkeit und Hass. Kalt, klaustrophobisch und unentrinnbar.

Grit Lemke

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Father and Son

Dokumentarfilm
2013
54 Minuten
Untertitel: 
englische
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Paweł Łoziński
Paweł Łoziński
Paweł Łoziński, Marcel Łoziński
Przemysław Chruścielewski
Spätestens mit 15 hört der Mensch auf, mit seinen Eltern zu verreisen. Tut er es dennoch, hat er gute Gründe. Besonders, wenn der Vater einer der wichtigsten Regisseure des polnischen Dokumentarfilms ist, dessen offen invasiver Stil eine eigene Schule prägte, Generationen von Filmemachern beeinflusste und einen großen Schatten auf das künstlerische Schaffen des Sohnes wirft (beide übrigens Leipzig-Preisträger).

Ganz im Sinne der dokumentarischen Methode des Vaters – die Wirklichkeit provozieren und sehen, was passiert – lädt Paweł Łozinski Senior Marcel ein: auf eine Tour im Kleinbus gen Westen, von der polnischen Heimat zu den französischen Wurzeln des jüdischen Vaters. Allein dies ein Weg voller Fallstricke. Und so gehen die Gespräche nicht nur zurück in Pawełs Kindheit, für ihn ein missglücktes Experiment anti-autoritärer 68er-Erziehung, sondern bis in die vorhergehende Generation, zu Résistance und Holocaust. Auf Rast- und Campingplätzen wird unablässig an Brillen und Scheiben geputzt und auch im Dialog um Klarheit gerungen: über Familie, Liebe, das Alter, über Traumata, Verantwortung und Vergebung. Manches bleibt offen. Klar aber wird, dass die gemeinsame Reise an neue Orte geht, wenn Eltern alt werden. Die Geschichte von Vater und Sohn bleibt ohne Happy End. Aber sie ist voller Momente wie jenem, in dem der Vater zum Eis essenden Sohn „mein kleiner Junge“ sagt. Mehr kann man nicht verlangen.

Grit Lemke

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Intensity of Watching

Dokumentarfilm
2016
67 Minuten
Untertitel: 
englische
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Andrzej Sapija
Andrzej Sapija
Andrzej Dudek-Dürer
Andrzej Sapija
Andrzej Sapija
Die Realität lässt sich nur fragmentarisch abbilden, doch kann sich im Fragment ihre Essenz offenbaren. Alles hangt von der Intensität des Blicks ab, so der Vater der polnischen Schule des Dokumentarfilms Kazimierz Karabasz. Einer seiner vielen Schuler, Andrzej Sapija, nutzt die vielleicht letzte Gelegenheit, den heute 86-Jährigen selbst ins Bild zu setzen, sein Leben und Werk – beides ist nicht voneinander zu trennen – in Fragmenten
aufzufächern.

Wie eine lebende Legende wirkt der Mensch Karabasz nicht; er geht noch immer in die Schule. Es ist noch nicht lange her, da testete er eifrig seine neue Digitalkamera und richtete sie seinerseits auf wichtige Weggefährten wie Jan Łomnicki. Auch diese Bildebene fliest in Sapijas Film ein, der sich durchaus als eine vermittelte Meisterklasse sehen lasst. Ausschnitte aus Karabaszs wichtigsten Arbeiten dienen als chronologischer Leitfaden durch die Filmgeschichte. Karabasz ist Pionier einer kreativen Strömung, die den Dokumentarfilm aus dem Schatten der Wochenschau herausholt und von der vorgestanzten ideologischen Aussage befreit. An die Stelle des Kollektivs tritt der Einzelne, an die des Ereignisses das Alltägliche. Die Realität findet ihre poetische Überhöhung. Karabaszs Standpunkt ist heute bedeutsamer denn je. Denn gegen die ungefilterten Bilder aus aller Welt hilft vor allem die behutsame Observation.

Lars Meyer

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One Man Show

Dokumentarfilm
2014
53 Minuten
Untertitel: 
englische
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Maciej Kubicki
Jakub Piątek
Michał Stajniak
Urszula Klimek-Piątek, Jakub Piątek
Jakub Piątek
Marcin Sitek ist 33, Schauspieler, gut ausgebildet, talentiert, hoch motiviert, eloquent und gut aussehend. Es könnte losgehen, das Leben. Oder wenigstens die Karriere, wenigstens eine kleine Rolle, wenigstens dieser eine Auftritt. Stattdessen telefoniert er sich die Finger wund, lacht auf Bestellung bei Fernseh-Castings, spielt Winzigrollen in drittklassigen Filmen, reißt schlechte Witze als Stand-up-Comedian auf Hinterhofbühnen, strippt in zweifelhaften Etablissements und verdient sein Geld als Erntehelfer im Ausland.

Ein Jahr lang begleitet Jakub Piątek seinen Protagonisten. Ein Jahr voller großer Pläne und Erwartungen, das schließlich doch wieder auf einem norwegischen Feld endet. Und weil Marcin sich und sein Leben unablässig inszeniert, wird auch seine Geschichte eingebettet in eine Studiohandlung. Der große Solo-Auftritt, die One-Man-Show des strahlenden Helden – dessen Fassade im Licht der Scheinwerfer und unter den gnadenlosen Fragen und
Anweisungen einer Stimme aus dem Off immer mehr bröckelt, bis er am Ende buchstäblich nackt und jenseits jeder coolen Attitüde vor uns steht.

So gelingt Piątek mittels einer wirklich innovativen Dramaturgie das so eindrucksvolle wie bittersüße Porträt jener Generation „Y“, „Praktikum“ oder „was mit Medien“ – die alles in den Händen hat und doch scheitert.

Grit Lemke

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Shoulder the Lion

Dokumentarfilm
2015
74 Minuten
Untertitel: 
keine
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Erinnisse Rebisz, Patryk Rebisz
Erinnisse Rebisz, Patryk Rebisz
Graham Sharpe, Colin Stetson, The Eskies
Patryk Rebisz
Erinnisse Rebisz
Keller McDivitt
Der Mensch kann seine Augen schließen, den Gehörgang aber nie. Für den Musiker Graham bedeutet diese schlichte Tatsache das Karriereende. In seinem Kopf hat sich ein krankhafter Lärm eingenistet, der nie verstummt. Alice, die Fotografin, erblindet infolge eines Netzhautleidens. Und Katie, dritte Protagonistin dieses erstaunlichen Films über die Widerstandskraft des menschlichen Geistes, wird in ihrem ersten Profikampf als Boxerin in ein Koma geprügelt, aus dem sie Wochen später ohne jede Erinnerung erwacht (verfilmt in „Million Dollar Baby“). Reset!

Eine bildstarke Reise in die innere Welt von Menschen, die schwerste Sinnesverluste hinnehmen mussten. Dabei setzt das Regieduo Erinnisse und Patryk Rebisz auf visuelle Stilisierung der Sinne, um jedem Drama seine Bildentsprechung zu geben. Die erblindete Alice arbeitet weiter mit der Kamera, wobei die Speicherkarte ihres Gedächtnisses Erfahrungswerte für die neuen Fotografien liefert. Das Gehirn der Ex-Boxerin dagegen produziert immer neue, ihr unbekannte Bilder, die sie schließlich zur Malerei führten. Und Graham, dem seine Band das Leben bedeutete, erfindet sich, wenn auch erwartungslos, als Stage Manager eines Musikfestivals neu. Am Ende dieses erzählerisch mutigen und visuell ungewöhnlichen Films steht die Bewunderung für die Fähigkeit unserer Spezies, persönliche Krisen in Erkenntnis und Neuanfang zu verwandeln. Jedenfalls manchmal.

Matthias Heeder

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Two Worlds

Dokumentarfilm
2016
51 Minuten
Untertitel: 
englische
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Jacek Kucharski
Maciej Adamek
Mateusz Skalski
Sławomir Goździk
Maciej Adamek
Mariusz Bielecki, Przemysław Jaworski
Ein Film über eine ganz normale Familie: Sie fahren Fahrrad, brauchen einen Kredit, kaufen ein Handy. Nein, etwas ist anders. Die Eltern sind taub und die zwölfjährige Tochter muss aus der Gebärdensprache übersetzen. Sie sind ein großartiges Team – Against all odds! Die verwunderten Blicke der Handyverkäuferin können ihnen nichts anhaben.

Mit einer wunderbaren Leichtigkeit erzählt Regisseur Maciej Adamek von den Schwierigkeiten des Seins. Die Schlagworte Inklusion und Exklusion sind rückübersetzt in Alltagsgeschichten, anhand derer er erfahrbar macht, wie diese kleine Gemeinschaft ihr Leben meistert. Dabei ist ihm etwas Seltenes geglückt. Er ist ein genauer Beobachter, dem es mit jeder Szene gelingt, über das Thema hinauszuweisen: Wer lernt eigentlich von wem? Vielleicht sind die Eltern glücklicher, weil sie nicht alles wissen. Und ist es für die pubertierende Tochter leichter als für andere, ihre Geheimnisse zu wahren? Erinnert die Konstellation nicht auch an die von Migrantenfamilien, so der Regisseur über seinen Film, in denen Kinder die Sprache schneller lernen als ihre Eltern – und sich somit die Verhältnisse umkehren? Wir leben sicher nicht nur in zwei Welten, sondern in vielen.

Cornelia Klauß

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Wajda School Screening: Wróblewski According to Wajda

Dokumentarfilm
2015
42 Minuten
Untertitel: 
englische
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Adam Mickiewicz Institute
Andrzej Wajda
Jerzy Rudziński
Andrzej Wajda, Marek Brodzki
In Wajda’s story, Andrzej Wróblewski is shown as one of the greatest painters of the 20th century and a man tragically marked by war.

In the documentary Wróblewski według Wajdy / Wróblewski according to Wajda, realized by Andrzej Wajda in 2015, the director recalls Wróblewski as a painter and as a friend. He speaks of a man who faced the challenges of his time and searched for his own place. Wróblewski, seen with Wajda’s eyes, is a genius, who had to wait for recognition for a long time, but who hadn’t recognized his genius himself.

Their paths crossed right after the war, when they both studied at the Fine Arts Academy in Kraków. The artist was born in Vilnius, studied at the faculty of painting and sculpture, and also history of art at the Jagiellonian University.

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